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Der ursprüngliche PageRank-Algorithmus wurde von Lawrence Page
und Sergey Brin mehrfach beschrieben. Er hat die folgende Form:
PR(A) = (1-d) + d (PR(T1)/C(T1) + ... + PR(Tn)/C(Tn))
Hierbei ist:
- PR(A) der PageRank einer Seite A,
- PR(Ti) der PageRank der Seiten Ti, von denen ein Link auf die Seite A
zeigt,
- C(Ti) die Gesamtanzahl der Links auf Seite Ti und
- d ein Dämpfungsfaktor (Damping Factor),
wobei 0 <= d <= 1 ist.
Das PageRank-Verfahren bewertet damit grundsätzlich nicht Websites in
ihrer Gesamtheit, sondern basiert ausschließlich auf der Beziehung einzelner
Webseiten zueinander. Der PageRank einer Seite A bestimmt sich dabei
rekursiv aus dem PageRank derjenigen Seiten, von denen ein Link auf die
Seite A zeigt.
Der PageRank der Seiten Ti, die auf eine Seite A verlinken, fließt nicht
gleichmäßig in den PageRank von Seite A ein. Der PageRank einer Seiten T
wird stets anhand der Anzahl C(T) der von Seite T ausgehenden Links
gewichtet. Das bedeutet, dass je mehr ausgehende Links eine Seite T hat,
umso weniger PageRank gibt sie an Seite A weiter.
Der anhand der Anzahl an ausgehenden Links gewichtete PageRank der Seiten Ti
wird nun addiert. Dies hat zur Folge, dass jeder zusätzliche eingehende Link
für eine Seite A stets den PageRank dieser Seite A erhöht.
Schließlich wird die Summe der gewichteten PageRanks der Seiten Ti mit dem
Dämpfungsfaktor d, der stets zwischen 0 und 1 liegt multipliziert. Hierdurch
wird das Ausmaß der Weitergabe des PageRanks von einer Seite auf einer
andere verringert.
3.Das Random Surfer Modell
Lawrence Page und Sergey Brin bieten in ihren Veröffentlichungen eine sehr
einfache, intuitive Rechtfertigung des PageRank-Algorithmus an. Sie
betrachten PageRank-Verfahren als ein Modell zur Abbildung von
Benutzer-Verhalten. Hierzu führen sie einen Zufalls-Surfer an, der von einer
Webseite zur nächsten jeweils beliebige Links verfolgt, ohne dabei auf
Inhalte zu achten.
Der Zufalls-Surfer befindet sich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auf
einer Website, die sich aus deren PageRank herleiten lässt. Die
Wahrscheinlichkeit, dass der Zufalls-Surfer nun einen bestimmten Link
verfolgt, ergibt sich dann einzig und allein daraus, aus wievielen Links er
die Auswahl hat. Aus diesem Grunde fließt der PageRank einer verlinkenden
Seite stets nach der Anzahl Ihrer ausgehenden Links gewichtet in die
PageRank Berechnung einer verlinkten Seite ein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zufalls-Surfer auf eine Seite gelangt, ist
also die Summe der Wahrscheinlichkeiten, mit der er von einer verlinkenden
Seite den entsprechenden Link verfolgt. Nun wird allerdings die
Wahrscheinlichkeit, mit der der Zufalls-Surfer auf eine Seite gelangt, um
den Faktor d gedämpft. Dies hat im Rahmen des Random Surfer Modells den
Hintergrund, dass der Zufalls-Surfer nicht unendlich viele Links verfolgt.
Nach einer bestimmten Zeit wird er gelangweilt und ruft eine beliebige
andere Webseite auf.
Die Wahrscheinlichkeit, mit der der Zufalls-Surfer die Verfolgung von Links
nicht abbricht und somit weiterklickt, wird durch den Dämpfungsfaktor d
angegeben, der abhängig von der Höhe der Wahrscheinlichkeit einen Wert von 0
bis 1 annimmt. Je höher d ist, um so wahrscheinlicher ist es, dass der
Zufalls-Surfer Links verfolgt. Da der Zufalls-Surfer nach dem Abbruch der
Link-Verfolgung eine beliebige Seite aufruft, geht die Wahrscheinlichkeit
mit er er dies tut, mit dem Wert (1-d) als Konstante in die Berechnung des
PageRanks einer jeden Seite ein.
4. Abweichende Formulierung des PageRank-Algorithmus
Lawrence Page und Sergey Brin bieten in ihren Veröffentlichungen zwei
unterschiedliche Versionen des PageRank-Algorithmus an. In dieser zweiten
Version bestimmt sich der PageRank einer Seite A wie folgt:
PR(A) = (1-d) / N + d (PR(T1)/C(T1) + ... + PR(Tn)/C(Tn))
Hierbei ist N die Anzahl aller Seiten des Webs. Diese zweite Version des
PageRank-Algorithmus unterscheidet sich allerdings nicht grundlegend von der
ersten. In der zweiten Version beschreibt der PageRank einer Seite im Sinne
des Random Surfer Modells lediglich die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, mit
der der Zufalls-Surfer nach dem Verfolgen vieler Links eine Seite erreichen
wird. Dieser Algorithmus bildet damit eine Wahrscheinlichkeitsverteilung
über alle Seiten des Webs ab. Die Summe aller PageRank-Werte des Webs ist
damit bei dieser Version des Algorithmus gleich 1.
In der oben genannten, ersten Version erfolgt eine Gewichtung der
Wahrscheinlichkeit des Besuchs einer Seite nach der Anzahl der Seiten des
Webs. Demnach ist der PageRank in dieser Version im Grunde der
Erwartungswert für den Besuch des Zufalls-Surfers auf einer Seite, wenn er
hierfür Anläufe in genau der Höhe der Anzahl der Seiten des Webs nimmt.
Bestünde das Web also aus 100 Seiten, und eine Seite hat einen PageRank von
2, so würde der Zufalls-Surfer sie bei 100 "Surfgängen" im Mittel zweimal
erreichen.
Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die beiden Versionen des Algorithmus
sich nicht grundlegend. Letztlich muss der PageRank einer Seite aus der
Algorithmus-Version 2 lediglich mit der Anzahl der Webseiten multipliziert
werden, um zum PageRank der Algorithmus-Version 1 zu gelangen. Selbst Page
und Brin ist in Ihrer wohl bekanntesten Veröffentlichung "The Anatomy of a
Large-Scale Hypertextual Web Search Engine" der Fehler unterlaufen, die
erste Version des PageRank-Algorithmus als Wahrscheinlichkeitsverteilung zu
charakterisieren, bei der die Summe der PageRank-Werte aller Seiten gleich
eins sei.
Im Folgenden wird für die weiteren Betrachtungen der oben zuerst genannte
Algorithmus verwandt. Dies hat den einfachen Hintergrund, dass Berechnungen
hiermit wesentlich einfacher sind, da die Größe des Webs vollkommen außer
Acht gelassen werden kann.
5. Die Eigenschaften des PageRank
Die Eigenschaften des PageRank sollen jetzt anhand eines Beispieles
veranschaulicht werden.
Hierzu wird ein kleines 3-Seiten-Web aus den Seiten A, B und C betrachtet,
wobei Seite A sowohl auf Seite B als auch auf Seite C verlinkt. Seite B
verlinkt lediglich auf Seite C und Seite C wiederum verlinkt auf Seite A.
Der Dämfungsfaktor d wird Angaben von Lawrence Page und Sergey Brin zufolge
für tatsächliche Berechnungen üblicherweise auf 0.85 gesetzt. Der
Einfachheit halber wird d an dieser Stelle ein Wert von 0.5 zugewiesen,
wobei die Höhe von d zwar Auswirkungen auf den PageRank hat, das hier zu
erläuternde Prinzip jedoch nicht beeinflusst. Es ergeben sich die folgenden
Gleichungen für den PageRank der einzelnen Seiten:
PR(A) = 0.5 + 0.5 PR(C)
PR(B) = 0.5 + 0.5 (PR(A) / 2)
PR(C) = 0.5 + 0.5 (PR(A) / 2 + PR(B))
Dieses Gleichungssystem lässt sich sehr einfach für den PageRank der
einzelnen Seiten lösen. Es ergeben sich die folgenden Werte:
PR(A) = 14/13 = 1.07692308
PR(B) = 10/13 = 0.76923077
PR(C) = 15/13 = 1.15384615
Es zeigt sich, dass die Summe der PageRanks aller Seiten gleich drei und
somit gleich der Anzahl der Seiten ist. Dies ist keine spezifisches Ergebnis
für unser Beispiel, da der PageRank Algorithmus einen Erwartungswert für den
Besuch von Seiten bei Anläufen in Höhe der Anzahl der Seiten darstellt.
Für ein kleines 3-Seiten-Beispiel lässt sich ein Gleichungssystem
unproblematisch lösen. Das tatsächliche WWW besteht jedoch mittlerweile aus
mehreren Milliarden Webseiten, so dass die Lösung eines entsprechenden
Gleichungssystems nicht mehr möglich ist.
6. Die iterative Berechnung des PageRank
Aufgrund der Größe des Webs erfolgt in der Praxis der Suchmaschine Google
eine näherungsweise, iterative Berechnung des PageRank. Dies bedeutet, dass
zunächst jeder Seite ein PageRank zugewiesen wird, und anschließend der
PageRank aller Seiten in mehreren Berechnungsrunden ermittelt wird. Diese
näherungsweise Berechung soll wiederum anhand unseres kleinen Beispiels
demonstriert werden, wobei als Ausganswert für den PageRank einer jeden
Seite zunächst 1 angenommen wird.
| Iteration |
PR(A) |
PR(B) |
PR(C) |
| 0 |
1 |
1 |
1 |
| 1 |
1 |
0.75 |
1.125 |
| 2 |
1.0625 |
0.765625 |
1.1484375 |
| 3 |
1.07421875 |
0.76855469 |
1.15283203 |
| 4 |
1.07641602 |
0.76910400 |
1.15365601 |
| 5 |
1.07682800 |
0.76920700 |
1.15381050 |
| 6 |
1.07690525 |
0.76922631 |
1.15383947 |
| 7 |
1.07691973 |
0.76922993 |
1.15384490 |
| 8 |
1.07692245 |
0.76923061 |
1.15384592 |
| 9 |
1.07692296 |
0.76923074 |
1.15384611 |
| 10 |
1.07692305 |
0.76923076 |
1.15384615 |
| 11 |
1.07692307 |
0.76923077 |
1.15384615 |
| 12 |
1.07692308 |
0.76923077 |
1.15384615 |
Es zeigt sich, dass sich in unserem Beispiel bereits nach sehr wenigen
Iterationen eine sehr gute Näherung an die tatsächlichen Werte ergibt. Für
die Berechnung des PageRanks für das komplette WWW werden von Lawrence Page
und Sergey Brin ca. 100 Iterationen als hinreichend genannt.
Entscheidend ist, dass die Summe der PageRanks aller Seiten nach der
Durchführung der iterativen Berechnung gegen die Anzahl aller Seiten
konvergiert. Der durchschnittliche PageRank aller Seiten geht mithin gegen
1. Jede Seite hat einen minimalen PageRank von (1-d). Der theoretisch
maximale PageRank einer Seite beträgt dN+(1-d), wobei N die Anzahl aller
Webseiten ist. Dieser theoretische Wert käme zustande, wenn sämtliche
Webseiten ausschließlich auf eine Seite verlinken, und auch diese wiederum
ausschließlich auf sich selbst verlinkt.
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